Offener Brief ans Ministerium

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie wir Ihnen bereits mitgeteilt haben, sollen an unserer Universität zum 1. April mehrere hundert KommilitonInnen der Philosophischen wie auch der Mathematisch-Natur-wissenschaftlichen Fakultät exmatrikuliert werden, weil sie ihre Zwischenprüfung bzw. ihr Vordiplom bisher nicht abgelegt haben und jetzt von den Auslaufordnungen der alten Studiengänge betroffen sind.

Wir führen diese Tatsache auch auf die verfehlte Bildungspolitik der letzten Jahre zurück. Die Umstellung auf Bachelor/Master wurde beschlossen und durchgesetzt ohne Rücksichtnahme darauf, was das für die betroffenen Menschen bedeutet. Exzellenz-Initiativen und Hochschulfreiheitsgesetz haben eine Situation geschaffen, in der die Konkurrenz um angebliche Exzellenz, das Einwerben von Drittmitteln und das Management einer ‚unternehmerischen Hochschule’ die eigentlichen Ziele humanistischer Wissenschaft überlagern. Menschen, die in den immer mehr Druck ausübenden strukturellen Bedingungen nicht ‚funktionieren’, haben für diese durch Konkurrenz bestimmte Welt schlicht nicht die geeignete ‚Persönlichkeitsstruktur’, wird argumentiert. Daher sei es nur richtig, dass solche nicht ‚studierfähigen’ Menschen jetzt aussortiert werden.

Wir meinen: Bildung muss für alle da sein. Unabhängig von der persönlichen Situation eines Menschen müssen die Strukturen so gestaltet sein, dass alle die Möglichkeit haben, mit Muße zu studieren, kritisch zu reflektieren und so einen viel wichtigeren gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, als alle Exzellenz-Initiativen zusammen es jemals könnten. Wir nehmen die gesellschaftlich geächteten ‚Bummel-Studierenden’ in Schutz: Sie tun nur das, was sinnvoll ist: Sie nehmen sich die Zeit, die sie brauchen. Wir finden es schlimm, dass Menschen, die teils bereits von sehr schwierigen persönlichen Lebensumständen betroffen sind, hier noch zusätzlich drangsaliert werden.

Daher plädieren wir für:

  • Die sofortige Aussetzung aller Auslauffristen an allen Universitäten NRWs.
    Niemand darf auf Grund der Umstellung exmatrikuliert werden!
  • Die unbürokratische Anrechnung von Leistungsnachweisen, die in BA/MA-Veranstaltungen erworben wurden, für die Studierenden in Diplom- und Magister-Studiengängen – dies wird auch bisher so gehandhabt. Wir sehen keinen Grund, wieso diese Praxis nicht fortgeführt werden kann. Die Argumentation der Verwaltung, dass der mit der Betreuung der Diplom- und Magisterstudierenden verbundene Arbeitsaufwand nicht länger tragbar sei, ist für uns nicht akzeptabel, denn: Das Problem sind nicht die Studierenden, sondern die mangelhafte personelle und finanzielle Ausstattung der Universität. Es kann nicht sein, dass die Konsequenz aus Mangelwirtschaft ist, dass hunderte Menschen exmatrikuliert werden. Außerdem müsste bei Wegfall der Auslauffristen auch weniger Betreuung geleistet werden, denn die Fristen sind ja gerade der Grund, dass Leute in die Beratung kommen, weil ihnen mit Exmatrikulation gedroht wird.
  • Die bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Universitäten. Aus dem letzten Punkt wird deutlich, wie notwendig dies ist, um einen wissenschaftlich hochwertigen und zugleich menschenfreundlichen Lehrbetrieb zu ermöglichen.
  • Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Bildungspolitik der letzten Jahre: Was bedeuten die Veränderungen für die Menschen? Wie lassen sich die zunehmenden psychischen Probleme unter Studierenden erklären (siehe zum Beispiel die Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks)? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Entdemokratisierung und Schwächung der universitären Selbstverwaltung?
  • Ein neues Hochschulgesetz, das nicht nur die Verfehlungen der letzten Jahre korrigiert, sondern darüber hinaus die Hochschule weitreichend demokratisiert. Der Fokus sollte statt auf Konkurrenz und Elite auf humanistische Wissenschaften und einen an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Lehrbetrieb gelegt werden.

Wir hoffen sehr, dass Sie sich in diesem Sinne für die zahlreichen Menschen einsetzen werden, die im Hochschulsystem NRWs studieren, lehren und leben.

Mit freundlichen Grüßen

Jonas Thiele                        Katharina Sass

1. AStA-Vorsitzender           2. AStA-Vorsitzende

 

Offener Brief an das Rektorat der Uni Köln

Sehr geehrter Herr Freimuth,

wie Sie wissen, sollen an unserer Universität zum 1. April mehrere hundert KommilitonInnen der Philosophischen wie auch der Mathematisch-Naturwissen-schaftlichen Fakultät exmatrikuliert werden, weil sie ihre Zwischenprüfung bzw. ihr Vordiplom bisher nicht abgelegt haben und jetzt von den Auslaufordnungen der alten Studiengänge betroffen sind.

Wir führen diese Tatsache auch auf die verfehlte Bildungspolitik der letzten Jahre zurück. Die Umstellung auf Bachelor/Master wurde beschlossen und durchgesetzt ohne Rücksichtnahme darauf, was das für die betroffenen Menschen bedeutet. Exzellenz-Initiativen und Hochschulfreiheitsgesetz haben eine Situation geschaffen, in der die Konkurrenz um angebliche Exzellenz, das Einwerben von Drittmitteln und das Management einer ‚unternehmerischen Hochschule’ die eigentlichen Ziele humanistischer Wissenschaft überlagern. Menschen, die in den immer mehr Druck ausübenden strukturellen Bedingungen nicht ‚funktionieren’, haben für diese durch Konkurrenz bestimmte Welt schlicht nicht die geeignete ‚Persönlichkeitsstruktur’, wird argumentiert. Daher sei es nur richtig, dass solche nicht ‚studierfähigen’ Menschen jetzt aussortiert werden.

Wir meinen: Bildung muss für alle da sein. Unabhängig von der persönlichen Situation eines Menschen müssen die Strukturen so gestaltet sein, dass alle die Möglichkeit haben, mit Muße zu studieren, kritisch zu reflektieren und so einen viel wichtigeren gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, als alle Exzellenz-Initiativen zusammen es jemals könnten. Wir nehmen die gesellschaftlich geächteten ‚Bummel-Studierenden’ in Schutz: Sie tun nur das, was sinnvoll ist: Sie nehmen sich die Zeit, die sie brauchen. Wir finden es schlimm, dass Menschen, die teils bereits von sehr schwierigen persönlichen Lebensumständen betroffen sind, hier noch zusätzlich drangsaliert werden.

Daher plädieren wir für:

  • Die sofortige Aussetzung aller Auslauffristen an der Uni Köln!
    Niemand darf auf Grund der Umstellung exmatrikuliert werden!
  • Die unbürokratische Anrechnung von Leistungsnachweisen, die in BA/MA-Veranstaltungen erworben wurden, für die Studierenden in Diplom- und Magister-Studiengängen – dies wird auch bisher so gehandhabt. Wir sehen keinen Grund, wieso diese Praxis nicht fortgeführt werden kann. Die Argumentation der Verwaltung, dass der mit der Betreuung der Diplom- und Magisterstudierenden verbundene Arbeitsaufwand nicht länger tragbar sei, ist für uns nicht akzeptabel, denn: Das Problem sind nicht die Studierenden, sondern die mangelhafte personelle und finanzielle Ausstattung der Universität. Es kann nicht sein, dass die Konsequenz aus Mangelwirtschaft ist, dass hunderte Menschen exmatrikuliert werden. Außerdem müsste bei Wegfall der Auslauffristen auch weniger Betreuung geleistet werden, denn die Fristen sind ja gerade der Grund, dass Leute in die Beratung kommen, weil ihnen mit Exmatrikulation gedroht wird.
  • Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Bildungspolitik der letzten Jahre: Was bedeuten die Veränderungen für die Menschen? Wie lassen sich die zunehmenden psychischen Probleme unter Studierenden erklären (siehe zum Beispiel die Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks)? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Entdemokratisierung und Schwächung der universitären Selbstverwaltung?
  • Ein neues Leitbild für unsere Hochschule, das den Fokus statt auf Konkurrenz und Elite auf humanistische Wissenschaften, auf hochschulinterne Demokratie und auf einen an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Lehrbetrieb legt.

Wir hoffen sehr, dass Sie sich in diesem Sinne für die Menschen einsetzen werden, die an unserer Universität studieren, lehren, arbeiten und leben.

Mit freundlichen Grüßen

Jonas Thiele                       Katharina Sass

1. AStA-Vorsitzender           2. AStA-Vorsitzende