AStA der Universität zu Köln fordert Politik und Rektorat in einem offenen Brief auf, Zwangsexmatrikulationen sofort zu stoppen

An der Universität zu Köln sollen zum 1. April voraussichtlich mehrere hundert Studierende zwangsexmatrikuliert werden, da sie ihr Vordiplom bzw. ihre Zwischenprüfung noch nicht abgelegt haben und nun von den Auslaufordnungen der Magister- und Diplomstudiengänge betroffen sind.

Mit einem offenen Brief plädiert der AStA der Uni Köln dafür, dass diese Auslauffristen mit sofortiger Wirkung ausgesetzt werden und sämtliche Zwangsexmatrikulationen gestoppt werden.

Der AStA kritisiert die Bildungspolitik der letzten Jahre als verfehlt. So Jonas Thiele, 1. AStA-Vorsitzender: „Die Umstellung auf Bachelor/Master wurde beschlossen und durchgesetzt ohne Rücksichtnahme darauf, was dies für die Menschen bedeutet. Wer in den durch Konkurrenz und Druck geprägten Strukturen nicht ‚funktioniert’, habe eben nicht die geeignete ‚Persönlichkeitsstruktur’ und sei nicht ‚studierfähig’, wird argumentiert. Dagegen wenden wir uns entschieden: Nicht die Studierenden sind das Problem, sondern die verfehlten Reformen und unterfinanzierten Strukturen.“

Katharina Sass, 2. AStA-Vorsitzende, fügt hinzu: „Wir meinen: Bildung muss für alle da sein. Unabhängig von der persönlichen Situation eines Menschen müssen die Strukturen so gestaltet sein, dass alle die Möglichkeit haben, mit Muße zu studieren, kritisch zu reflektieren und so einen viel wichtigeren gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, als alle Exzellenz-Initiativen zusammen es jemals könnten.“

Doch das bloße Aussetzen der Fristen wird nicht reichen: Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Bildungspolitik der letzten Jahre ist vonnöten. Vor allem müssen Alternativen entwickelt werden. Daher fordert Jan S. Weber, Politikreferent des AStA: „Wir wollen ein neues Hochschulgesetz für NRW, das nicht nur die Verfehlungen der letzten Jahre korrigiert, sondern darüber hinaus die Hochschule weitreichend demokratisiert. Der Fokus sollte statt auf Konkurrenz und Elite auf humanistische Wissenschaften und einen an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Lehrbetrieb gelegt werden. In diesem Zusammenhang muss auch die Umstellung auf die neuen Bachelor-Master-Studiengänge kritisch hinterfragt werden.“