Donnerstag 27. Oktober 2011 //17:45 Uhr // Hörsaal G (Hörsaalgebäude)

Die Wissenschaftsfreiheit zählt im Zusammenhang mit der Forschungsfreiheit und der Lehrfreiheit zu den Grundrechten, die in Deutschland gemäß Art. 5 Abs. 3 der Verfassung grundgesetztlich geschützt sind. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es im Mittelalter die Kirche, dann der absolutistische Staat und zuletzt, im Nationalsozialismus, ein diktatorisches Regime waren, welche der Wissenschaft Fesseln anzulegen versuchten, sie in ihrer freien Ausübung behinderten oder zu Propagandazwecken instrumentalisierten. Auch die Wissenschaftler selbst machten sich immer wieder zu ideologisch lehrenden und für Herrschaftsbelange forschenden Handlangern und Untertanen geistlicher und weltlicher Regierungsinteressen. Der kritische Blick auf den gegenwärtigen Stand und die beobachtbaren Entwicklungen an den Universitäten und Hochschulen zeigt, dass – teils wie früher, teils im Unterschied dazu – der Staat und andere gesellschaftliche Kräfte, vor allem Unternehmen und Banken, mit sowohl alten als auch neuen Methoden die Wissenschaft und die Wissenschaftler/innen in den Dienst ihrer Interessen zu bringen versuchen. Besondere Pradoxie: Unter Berufung auf die Freiheit der Wissenschaft wird die Forschung für inhumane Zwecke und zur militärischen Verwendung für rechtens erklärt. 

Prof. Dr. Rudolph Bauer ist Politikwissenschaftler und war von 1971 bis 2002 Hochschullehrer an der Universität Bremen; Studium an den Universitäten München, Erlangen, Frankfurt/Main und Konstanz; Fellowships am Fremdspracheninstitut Nr. 1 in Beijing und am Institute for Policy Studies der Johns Hopkins University in Baltimore/MD; Mit-Initiator der Protesterklärung Bremer Wissenschaftler/innen gegen eine Weltraum-Stiftungsprofessur des Unternehmens OHB Systems.