In der Senatssitzung vom 07. März wurde die Entscheidung des Rektorats verkündet: Burschenschaften, die der Uni Köln angehören sollen weiterhin eine Matrikel an der Uni Köln behalten dürfen. Das bedeutet, dass sie weiterhin eingetragene Studierendenvereinigung sind, Werbung auf dem Campus machen dürfen und durch die Uni in ihren Aktionen gedeckt werden.

Katharina Sass, ehemals zweite AStA-Vorsitzende, die das Thema schon lange verfolgt zeigt sich enttäuscht: „Auch wenn wir im Verlauf der Diskussion bemerkt haben, dass die Uni die Burschenschaften nicht exmatrikulieren will, sind wir sehr unglücklich mit der Entscheidung. Dass an der Uni Rassismus und Sexismus geduldet werden, finden wir untragbar. Es ist geschichtsvergessen zu behaupten, dass Burschenschaften kein Problem darstellen. In ihren Kreisen tummeln sich Rassisten, Sexisten und Antisemiten. Nicht umsonst war die Gründung von Verbindungen nach dem zweiten Weltkrieg während der Denazifizierung verboten. Leider wurde dies später von der BRD und Österreich nicht umgesetzt.“

Zur Erinnerung: Am 20.04.2011 hatte die Burschenschaft Germania zu Ehren des Geburtstages von Adolf Hitler ein Frühstück durchgeführt. Daraufhin verlangte der AStA im Senat das Verbot der Germania sowie die Überprüfung der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft, die mit der Diskussion um den „Arierparagraph“ im vergangenen Sommer für Schlagzeilen sorgte.

„Die Uni Köln argumentiert damit, dass sie keinen rechtlichen Spielraum habe“ sagt Luisa Schwab, Vorsitzende des AStA.

Statt des Verbotes soll nun von allen Studierendenvereinigungen regelmäßig eine Erklärung zur Verfassungstreue unterschrieben werden, in denen beispielsweise ein „Verbot von Diskriminierung“, die „Gleichbehandlung der Geschlechter“ sowie die „Verpflichtung zur notwendigen Sensibilität im Bezug auf historisch bedeutsame Daten“ erklärt wird.

„Diese Erklärung stellt Vereinigungen und Gruppen unter Generalverdacht. Es ist kaum anzunehmen, dass das ErasmusStudentsNetwork, die Hochschulgruppe für fairen Handel oder die Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung von einer ähnlichen politischen Brisanz sind, wie einige Burschenschaften und Verbindungen. Sensibilität in Bezug auf historische Daten beweist die Burschenschaft Germania immer wieder aufs Neue. Nur nicht so, wie es die Uni sich wünscht“, ergänzt Luisa Schwab.

Aynur Temur, Mitglied des Politikreferates des AStA betont die Außenwirkung, die die Entscheidung hat:
„Dies bedeutet, dass sich die Burschenschaft Germania hinter den Statuten der Uni Köln verschanzen kann. Wenn eine Einrichtung, wie die Uni Köln hinter einem steht, dann kann es mit dem Rassismus ja nicht so weit her sein. Leider ein Trugschluss. Ich befürchte, dass diese Entscheidung dem Ruf der Uni sehr schaden kann“.

Der AStA der Uni Köln plant nun erneut stärker über Verbindungen und Burschenschaften aufzuklären. „Gerade in Zeiten des überall mangelnden Wohnraumes kommt es immer wieder vor, dass sich Studierende bei ihnen verlaufen, weil es günstigen Wohnraum gibt und rutschen dann politisch ab. Das müssen wir verhindern. Es wäre schön, wenn die Uni dabei behilflich sein könnte“, schließt Jonas Thiele Projektleiter im AStA-Vorstand ab.