Die Universität zu Köln ist „Elite“-Uni

Mit beiden „Exzellenz“clustern, zwei Graduiertenschulen, sowie dem Gesamtkonzept „Meeting the Challenge of Change and Complexity“ war die Universität am heutigen Freitag bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des „Exzellenz“wettbewerbs von Bund und Ländern erfolgreich vertreten. Im Rektorat herrschte ausgelassene Stimmung, als das Ergebnis bekannt wurde. Rektor Axel Freimuth ließ sich von Fotografen anstacheln, sich auf der Albertus-Magnus-Statue vor dem Hauptgebäude in Siegerpose ablichten zu lassen. Die Baugerüste im Hintergrund machten dabei die ganze Ironie des „Exzellenz“wettbewerbs sichtbar.

Vielleicht hätten aber gerade die Baugerüste und -18°C im Seminargebäude bei der Begehung damals die Jury überzeugt, dass sich der Einsatz der Mittel an der Uni Köln lohne, mutmaßte Kanzler Neyses. Der Dekan der Medizinischen Fakultät Krieg begrüßte sogar die Baustellen auf dem Campus und in Lehre und Forschung als Zeichen des Umbruches. Die bröckelnden Decken an der Humanwissenschaftlichen Fakultät erwähnte in diesem Zusammenhang natürlich niemand.

Wie auch immer nun die Mittel von 170 Mio. € (laut Pressemappe) eingesetzt werden, das Gesamtkonzept des „Exzellenz“wettbewerbs hält der AStA weiterhin für stark kritikwürdig. Was auf den ersten Blick den Kölner Studenten schwer vermittelbar scheint (170 Mio. € sind doch gut?) erweist sich im Gesamtzusammenhang als berechigte Kritik.

Der „Exzellenz“wettbewerb fördert eine Spaltung der Bildungslandschaft in wenige „Elite“-Unis, an denen ausgewählte Forschungsprojekte überproportional subventioniert werden. Randfächer verkümmern. Was der Wettbewerb fördert, ist Elitenbildung an wenigen Orten. Was der AStA fordert und die Politik fördern sollte, ist die breite Ausfinanzierung ALLER Fächergruppen an ALLEN Hochschulen in Deutschland.

Bildung ist ein Grundrecht für alle Bewohner*innen dieses Landes. Der „Exzellenz“wettbewerb konterkariert jedoch das Prinzip der Chancengleicheit. Während an den meisten Unis vor allem die Lehre unterfinanziert ist und zum ineffizienten Basisstudium degradiert wird, konzentriert sich die Politik darauf, Leuchtturmprojekte zu fördern. Wer nicht die Möglichkeit hat, an einer „Elite“-Uni in einem „Elite“-Cluster „elitäre“ Forschung zu betreiben, muss sich mit einem Studium an einer der nicht „elitären“ Unis zur günstigen Arbeitskraft ausbilden lassen.

Für NRW-Bildunsgministerin Svenja Schulze sind diese Chancenungleichheit und das daraus resultierende soziale Ungleichgewicht selbstverständlich. Schulze hatte auf der Pressekonferenz die Uni Köln als Vorbild für alle großen Universitäten und sogar als Modell für Deutschland gelobt. Auf unsere Frage, was sie den Student*innen und Lehrenden an den nicht elitären Universitäten in NRW mitgeben wolle entgegnete sie, dass man sowohl „Elite“-Unis, als auch Breitenlehre benötige. Breite und Spitze würden sich nun mal bedingen. Da fragt sich, wem denn die Uni Köln ein Vorbild sein soll. Kann ja eh nicht jeder „spitze“ sein.

Wie dem auch sei, an der Uni Köln brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, wir gehören ja von nun an fünf Jahre zur Elite. Danach, in 2017 wird es keine neue Runde des „Exzellenz“wettbewerbes mehr geben. CDU, SPD und Grüne streiten noch über ein neues Konzept zur Förderung der Bildung. Zur Diskussion steht eine Aufhebung des Kooperationsverbotes von Bund und Ländern in der Bildung.

Bleibt zu hoffen, dass dann endlich auf eine Breitenförderung gesetzt wird. Bleibt auch zu hoffen, dass an der Uni Köln 2017 nicht die Lichter ausgehen. Die Förderungsmittel werden dann verbraucht sein, neues Geld ist zur Zeit nicht in Sicht. Wollte die Uni ihre Spitzenposition in den „Exzellenz“clustern Bio und Medizin über 2017 hinaus behalten müssten vermutlich Gelder an anderen Fakultäten eingespart werden.

Wohl dem, der dann zuhause sitzt, weil sein Studiengang geschlossen wurde. Er hätte von einer herabfallenden Deckenplatte erschlagen werden können.

Thies Kiesewetter
redaktion[at]asta.uni-koeln.de

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