Vollversammlung für eine gesellschaftlich verantwortliche Hochschule und ein erfreuliches Studium statt Pauken im Akkord

Am Mittwoch den 17.10 um 14 Uhr in der Aula 1 im Hauptgebäude

Aufruf!„Die Universität sind wir, hier und jetzt. Denn es gibt keine Universität ohne eine Verantwortung, hier und jetzt, in Bezug auf das, was kommt. Und wenn wir hier sind, dann weil wir uns, wie mir scheint, Sorgen darüber machen, was heute mit der Universität geschieht, um ihre Zukunft und ihre Verantwortung in Bezug auf das, was kommt.“

(Aus einer Rede von Plínio W. Prado Jr. 2010 auf der Ba/Ma-Konferenz „Schöne neue Bildung“ der Pädagogischen Fakultät der Uni Hamburg: Das Prinzip Universität als unbedingtes Recht auf Kritik)

Was an der Uni abverlangt wird, ist weder abzuarbeiten noch hinzunehmen: Hinter der Fassade „Elite-Universität“ herrscht ein Gerangel um knappe Seminarplätze, das Ba/Ma-Studium ist ein restriktiver, prüfungs-lastiger Hindernislauf. Die automatisierte Seminarzuteilungsmaschinerie (KLIPS) verschärft das Problem nur zusätzlich. Das organisierte Hamsterrad hat System: In den Ba/Ma-Schmalspurstudiengängen werden alle in Konkurrenz um knappe Masterplätze gestellt und mit Credit-Points bemessen – mit der einzigen Zielsetzung, uns „effizient“ und zügig für den Arbeitsmarkt abzufertigen. In den nicht umgestellten Jura und Medizin Studiengängen sieht es nicht besser aus. Wie sollen wir uns kritisch bilden, um die Welt zu verstehen und zu verbessern, wenn man nur noch dazu kommt, den vorgegebenen Stoff reinzupauken, wenn es nur noch um Punkte statt Erkenntnisse und Einsichten geht? Wie soll in den Seminaren gesellschaftlich relevanten Fragen nachgegangen und angeregt diskutiert werden, wenn Studierende und prekär beschäftigte Lehrende mit Leistungsvorgaben und Bewertungen überhäuft werden? Die Exzellenzinitiative ist Teil dieser organisierten Unvernunft: Der Großteil der Milliarden, die über den Exzellenz-Wettbewerb verteilt werden, fließen an nur 12 Elite-Universitäten. Die meisten Hochschulen gehen leer aus, während alle zusätzliche Arbeit und finanzielle Mittel in Marketing und aufwendige Bewerbungsverfahren stecken sollen. Auch innerhalb der Hochschulen wird die Ungleichheit verschärft. Die 120 Millionen Euro, welche das Rektorat auf Grund des „Elite“-Status´ in den nächsten fünf Jahren bekommt, sollen in prestigekräftige, drittmittelstarke (d. h. den Unternehmern nützliche) Forschungsbereiche gesteckt werden, ohne dabei zu berücksichtigen, ob diese Forschung dem Wohl der Bevölkerung dienlich ist. Von diesem Geld ist zudem für die Grundausstattung der Hochschule inklusive der Lehre kein Cent vorgesehen und wird auch nicht ein einziger neuer Studienplatz finanziert. Umgekehrt soll die strukturell unterfinanzierte Hochschule aus ihrem eigenen Etat zusätzliche Mittel für „exzellente“ Forschungsbereiche abstellen, obwohl der dringend für Seminare, Bibliotheken, etc. gebraucht wird. Damit drohen Mittelumverteilungen und Kürzungen innerhalb der Universität. Der ehemalige Finanzdekan der Philosophischen Fakultät ist deswegen im letzten Semester aus Protest zurückgetreten. Diese marktradikale Politik hält Kritik nicht stand: Die Studierenden haben mit Demos, Besetzungen und Boykotten erkämpft, dass in breiten Teilen der Republik die Studiengebühren wieder abgeschafft worden sind. Beim Bildungsstreik 2009 sind bundesweit Studierende im Bündnis mit Azubis und Schülerinnen gegen die Ökonomisierung der Bildung und die Zumutungen im Ba/Ma-Studium auf die Straße gegangen. An der Uni Köln, der Uni Frankfurt und dem KIT in Karlsruhe haben die Studierenden sich in Urabstimmungen mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Rüstungsindustrie und Bundeswehr keinen Einfluss auf Lehre und Forschung haben sollen und die Wissenschaft stattdessen strikt zivil und friedlich sein soll (Zivilklausel). An zahlreichen Universitäten sind mittlerweile Zivilklauseln erkämpft worden. Ist es angesichts der tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise nicht Aufgabe der Wissenschaft, die Frage zu stellen, wie die Zukunft menschwürdig gestaltet werden kann? Sollte ein Studium nicht beinhalten, dass sich alle den Problemen dieser Welt stellen, um die Gesellschaft aufgeklärt und mündig zu verbessern? Wir wollen auf der Vollversammlung diskutieren, wofür wir eine Studienreform wollen, wie wir zum Elitestatus stehen und was prinzipiell geändert werden muss, damit die Hochschule ihrer Verantwortung für die Gesellschaft und für eine friedliche Entwicklung gerecht wird. Wir rufen alle dazu auf, sich an der Vollversammlung am 17.10.2012 zu beteiligen. Die Universität, das sind wir und wir können sie ändern!

Hinweis: Während der Vollversammlung besteht in allen Veranstaltungen keine Anwesenheitspflicht. Den Studierenden darf durch die Teilnahme an der Versammlung kein Nachteil entstehen. (Rektoratsbeschluss 15.10.2012)

Hauptsache Elite?

Vollversammlung für eine gesellschaftlich verantwortliche Hochschule und ein erfreuliches Studium statt Pauken im Akkord

Mittwoch 17.10.2012

14 Uhr Aula 1