Wohnst du schon oder suchst du noch?

Die Podiumsdiskussion zum Thema Studentisches Wohnen Ende November brachte wenig konkrete Versprechungen, jedoch einen Konsens: Es muss etwas getan werden!

Am 26.11.2012 hatte der AStA zusammen mit den ASten der Fachhochschule und der Sporthochschule, sowie dem KSTW, zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, um mit Kommunalpolitiker*innen und Student*innen das Problem der Wohnungsnot in Köln zu diskutieren. Der Einladung gefolgt waren Jörg Detjen (Fraktionssprecher Die Linke im Stadtrat), Jochen Ott (Stellv. Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, Mitglied im Landtagsausschuss „Bauen und Wohnen“ und Aufsichtsratsvorsitzender der Kölner Wohnungsbaugenossenschaft GAG), Barbara  Moritz (Fraktionsvorsitzende von B90 Die Grünen im Stadtrat, Stellvertretende Vorsitzende der GAG und Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung in Köln), Dr. Peter Schink (Geschäftsführer des Kölner Studentenwerkes), Prof. Dr. Sylvia Heuchemer (zuständig für Studium und Lehre an der Fachhochschule Köln), sowie Alexander Suchomsky (Referent für Soziales und Internationales, AStA Uni Köln). studwohnen_LebWohl

Die Problematik, genügend Wohnraum für Studierende zu finden, wurde von allen Beteiligten erkannt. Durch doppelte Abiturjahrgänge und das Ende der Wehrpflicht strömen derzeit wesentlich mehr neue Student*innen an die Universitäten als noch vor einigen Jahren. Der ohnehin hart umkämpfte Wohnungsmarkt in Köln kann den vielen Erstsemester*innen jedoch kaum günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen.

Herr Dr. Schink hatte Zahlen des Studentenwerkes mitgebracht, die die gestiegene Nachfrage nach studentischem Wohnraum verdeutlichten: Das Kölner Studentenwerk (KStW) kann nur ca. 4600 Wohnheimplätze in Köln anbieten, die Nachfrage lag stets darüber, bei ca. 8000. Seit 2011 ist diese Nachfrage jedoch auf 10.000 Nachfrager*innen gestiegen. Da das KSTW diesen Studierenden kein Zimmer anbieten kann, müssen diese auf dem privaten Wohnungsmarkt fündig werden. Damit verschärft sich die Wohnraumknappheit in Köln jedoch. Durch die gestiegene Nachfrage steigen die ohnehin schon hohen Quadratmeterpreise. Die Studierenden, die naturgemäß ein eher kleineres Budget haben, müssen sehen, wo sie bleiben.

Um es vorwegzunehmen: Die anwesenden Politiker*innen hatten keine Lösung für dieses Problem parat. Das Problem haben die Studierenden jetzt, neuer Wohnraum hätte schon viele Jahre vorher geplant und gebaut werden müssen, um das Problem, dass sich ja durch Schul- und Wehrreformen durchaus abzeichnete, zu vermeiden. Aber was tun? Die Studierenden brauchen Wohnungen. Jetzt. Und am besten in der Nähe der Unis oder der Fachhochschulen, denn durch die hohen Mietpreise sind viele Student*innen dazu gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten. Gleichzeitig sollen  sie ihr Studium in Regelzeit durchziehen. Lange Anfahrtszeiten können daher bei Studierenden schnell zu Problemen führen, darauf wies Alexander Suchomsky hin.

Da nun keine neuen Häuser aus dem Boden gestampft werden können, machte Jörg Detjen von der Linken klar, dass es wichtig sei, viele kleine Projekte zu fördern, denn der große Wurf werde ohnehin nicht gelingen. Als ein Beispiel nannte er die Pläne der GAG, mehr Wohnraum in den Dachböden ihrer Häuser zu schaffen. Generell hat die GAG jedoch Probleme, ihren leerstehenden Wohnraum an Studierende zu vermieten. Ein Grund kann sein, dass die einzelnen Wohnungen entweder zu groß oder zu klein für Studierende sind. Barbara Moritz will daher Wohngemeinschaften fördern und Jochen Ott schlug vor, Wohnungen für Studierende attraktiver zu machen. So könnte man Einbauküchen einbauen. Dies käme den Student*innen sicher entgegen, denn es steigert ihre Flexibilität und senkt ihre Kosten.

Auch für private Vermieter müsste es sich mehr lohnen, studentischen Wohnraum anzubieten. Sylvia Heuchemer von der Fachhochschule betonte daher, dass es wichtig sei, dass diese Wohnform öffentlich gefördert werde, andernfalls springe jeder private Anbieter sofort ab. Da gefördertes Wohnen jedoch preisgebunden ist, scheint dies problematisch zu sein. Dabei müssten auch Privatiers ein Interesse daran haben, dass Student*innen in Köln leben, schließlich sind sie die Kunden und Arbeitskräfte von morgen. Jörg Detjen schlug daher auch eine Öffentlichkeitskampagne vor, die Privatleute animieren soll, an Student*innen zu vermieten und in studentischen Wohnungsbau zu investieren. Peter Schink erklärte daraufhin, dass von Seiten des KSTW, der ASten und der Rektorate bereits eine Kampagne geplant sei.

Peter Schink hatte dann auch die einzig wirklich konkrete Neuigkeit des Abends. So scheint es aussichtsreich, dass auf dem Parkplatz hinter dem Uni-Center, wo nur wenige Autos stehen und samstags ein Flohmarkt stattfindet, in Zukunft ca. 200 Plätze für studentisches Wohnen entstehen könnten.

Bis dies Realität ist, wird jedoch noch viel Zeit vergehen. Bis dahin ist es wichtig, dass wir immer wieder auf die Problematik aufmerksam machen, damit wir in der Politik nicht sofort wieder vergessen werden und zumindest die vielen kleinen Lösungsansätze weiter verfolgt und vielleicht auch neue Lösungen gefunden werden können, damit auch in Zukunft alle neuen Student*innen in Köln eine Wohnung finden, denn was nützt eine „exzellente“ Uni, wenn man dort nicht wohnen kann?