Referent*in: Dr. Tino Heim (Dresden)

„Das gegenwärtige deutsche Hochschulsystem bietet allen Statusgruppen etwas: Verunmöglichung selbstbestimmter Bildung für Studierende; Überausbeutung in prekarisierten Erwerbsverhältnissen für den ‚Mittelbau‘; Überlastung und strukturelle Entmachtung für Professor*innen; kannibalistische Verdrängungskonkurrenz, Wettbewerbsdruck und Verknappung der Zeitressourcen für Forschung und Lehre für alle.

Der Vortrag stellt die Frage, inwiefern die derzeitigen Ausgestaltungen des Hochschulsystems und der akademischen Erwerbsverhältnisse die Möglichkeitsbedingungen einer unabhängigen und kritischen Wissenschaft unterminieren. Ursachenkonstellationen und Effekte der neoliberalen Hochschulreformen der letzten Dekaden werden dazu in langfristige Trends der Organisation von Wissensarbeit im modernen Kapitalismus eingeordnet. Zugleich wird die Frage nach alternativen Gestaltungsmöglichkeiten und nach Ansatzpunkten für mögliche Gegenstrategien aufgeworfen.

Dabei sorgen die realsatirischen Qualitäten der vielfältigen Paradoxien von Bologna-Reform, Wissenschaftszeitvertragsgesetz oder der Exzellenzinitiative– trotz aller Tragik – auch für einige Komik.“

Die Veranstaltung wird neben dem Vortrag auch Raum für Fragen und Diskussionen bieten, damit eigene Perspektiven, Erfahrungen und Anregungen in die gemeinsame Erörterung der Thematik einfließen können. Dies ist der erste Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Kritik der marktkonformen Vernunft“ im WS 17/18.