Gesetz zur Reform der Lehramtsausbildung verabschiedet PDF Drucken E-Mail

Die Reform der Lehramtsausbildung nimmt langsam Gestalt an. Im Mai wurde im Landtag das Gesetz zur Reform der Lehramtsausbildung (LABG) verabschiedet. Hierdurch wird geregelt, dass spätestens ab dem Wintersemester 2011/2012 keine Studierenden mehr in die herkömmliche Lehramtsausbildung mit 1. und 2. Staatsexamen aufgenommen werden dürfen. Ab diesem Zeitpunkt gilt für alle Schulformen, dass Studierende nach 10 Semestern Studium in den dann verkürzten Vorbereitungsdienst (Referendariat) gehen sollen. Die 10 Semester untergliedern sich in 6 Semester Bachelor und 4 Semester Master inklusive einem Praxissemester. Prinzipiell ist es begrüßenswert, dass für alle Schulformen durch eine einheitliche Studiendauer auch der Status der AbsolventInnen angeglichen wird. Ob sich dies dann jedoch auch zeitnah in einer gerechten Anpassung der Besoldung niederschlägt, bleibt leider zu bezweifeln.

Die Einführung des Bachelor als Zwischenabschluss bietet reichlich Diskussionsstoff. Offen bleibt, wo das Betätigungsfeld für Studierende mit Bachelorabschluss liegen wird, die keinen Masterplatz erhalten. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) sagt, dass ein Bachelorabschluss im Lehramtsstudium nicht berufsqualifizierend sei. Um tatsächlich unterrichten zu können wäre ein Masterabschluss unerlässlich. Es ist zu befürchten, dass der Arbeitsmarkt zukünftig mit unzureichend ausgebildeten, billigen NachhilfelehrerInnen überschwemmt wird. Befürworter des Bachelors führen an, dass Studierende so mehr Flexibilität erhalten, da sie nach dem Lehramts-Bachelor die Möglichkeit bekommen könnten einen Fach-Master anzuschließen.

Das verabschiedete Gesetz ist vorrangig struktureller Natur. Wie die neuen Studiengänge im Detail aussehen sollen, wird hier nicht geregelt. Hierfür plant die Landesregierung den Erlass einer Verordnung (LZV), die Genaueres regeln soll.

Es steht außer Frage, dass es dringend einer Reform bei der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern bedarf. Das Gesetz und die LZV zeigen hier sogar einige positive Ansätze. Der Grundgedanke, dass zukünftigen LehrerInnen Kompetenzen vermittelt werden müssen, die sie dazu befähigen tatsächlich zu unterrichten, wird zwar herausgestellt, jedoch nicht konsequent umgesetzt.

Der Anteil der didaktischen Ausbildung in allen Studiengängen wird zwar verstärkt, aber es wird nicht konkret geregelt, wie das in der Umsetzung auszusehen hat. Generell regeln Gesetz und LZV viel, aber letztlich auch gar nichts richtig verbindlich. Die Hochschulen sollen in bekannter Manier „frei" bleiben. Die Handschrift des Ministers Pinkwart ist hier deutlich zu spüren.

Dass diese Freiheit vermutlich bedeuten wird, dass die Universitäten, wie schon bei der Umstellung von Diplom auf Bachelor/Master, alten Wein in neue Schläuche gießen, ist zu befürchten. Die Erkenntnis, dass etwas verändert werden muss ist zwar vorhanden, der Wille zu grundlegenden Reformen jedoch nicht. Für eine wirkliche Verbesserung müssten komplett neue Studiengänge konzipiert werden. Leider haben Lehramtsstudierende an den Universitäten eine schlechte Lobby. Den ProfessorInnen kosten sie nur Zeit, da nur die wenigsten hinterher für eigene Forschungszwecke beispielsweise im Rahmen einer Doktorarbeit zur Verfügung stehen. Sie zählen für viele nicht zum potenziellen wissenschaftlichen Nachwuchs und sind somit oftmals nur unliebsames fünftes Rad am Wagen. Extrem äußert sich dieses bei den angehenden GymnasiallehrerInnen. Eine Studie des Rektorats ergab somit nicht ohne Grund, dass die Lehramtsstudierenden an unserer Uni mit Abstand die unzufriedensten sind. Dies schlug sich auch im bekannten CHE-Ranking nieder. Die Uni-Leitung ist nun aufgewacht und legt nach Aussage des Rektors nun einen besonderen Fokus auf die Verbesserung der Lehramtsausbildung.

Momentan läuft an der Uni Köln der Entwicklungsprozess für ein Modell zur Umsetzung der Reformen. Inwiefern sich der Aktionismus des Rektorats gegen bestimmte Fakultätsstrukturen, die Angst vor einem Machtverlust und zusätzlicher Arbeit haben, durchsetzen kann, wird sich zeigen.