Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

  • Es wurden keine Ergebnisse gefunden.
  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Die fetischistische Eigenständigkeit des Antizionismus – Reflexionen zum Antizionismus ohne Israel

3. November 2015 um 19:00 - 21:00

„Sekundärer Antisemitismus“. Mit dieser Begriffskonstellation wird gemeinhin die Genese des Antisemitismus nach dem Menschheitsverbrechen von Auschwitz zu erklären versucht. Die Theorie eines „sekundären Antisemitismus“ geht dabei davon aus, dass die „klassischen“ Stereotype des Judenhasses – wie z.B. der „Wucherjude“ mit der langen Nase – nach der barbarischen Massenvernichtung der Nationalsozialisten eine Metamorphose durchlaufen hätten, sodass der Antisemitismus nach Auschwitz sich eine neue, scheinbar unverfänglichere Form gegeben habe. Diese neue Form des Antisemitismus, so die Conclusio dieser Theorie eines „sekundären Antisemitismus“, stelle sich seitdem vor allem im Antizionismus dar.
Nicht selten geht ein derartiges Antisemitismusverständnis davon aus, dass der sekundäre Antisemitismus den Übergang von einem ökonomisch vermittelten Antisemitismus („Wucherjude“) zu einem politisch vermittelten Antizionismus markiere, wobei seit der Staatsgründung Israels der politische Judenhass an Konjunktur gewonnen habe. So sehr die Theorie eines sekundären Antisemitismus eine wahres Moment des postnazistischen Judenhasses trifft, immerhin hat er nach Auschwitz wirklich sein Gesicht verändert, so grundlegend fehlt sie, wenn sie diese neue Form als Antizionismus fasst. Stillschweigend zugrunde liegt diesem Paradigma nämlich die Voraussetzung, dass die antizionistische Ideologiebildung eine Reaktion auf die israelische Staatsgründung sei.
Das ist aber mitnichten der Fall. Wäre der Antizionismus tatsächlich eine ideologische Reaktion auf die Staatsgründung Israels, müsste er gleichzeitig mit den Plänen dieser Staatsgründung aufgetreten sein, also frühestens Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings reicht die Geschichte des modernen Antizionismus realiter bis in die deutsche Aufklärungsideologie des 18. Jahrhunderts zurück, womit das verkürzte Antizionismusverständnis einer Theorie des „sekundären Antisemitismus“ deutlich wird. Der Vortrag wird versuchen, anhand der kantischen Religionsschrift einen Antizionismus ohne Israel nachzuweisen, der auf die fetischistische Eigenständigkeit antizionistischer Ideologiebildung jenseits der faktischen Existenz des israelischen Staates verweist.

Daniel Späth (Tübingen) schreibt für die Zeitschrift „EXIT!“ sowie für linkeirrwege.blogsport.de.

Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus Köln und des AStA der Universität zu Köln, unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bonn.

Details

Datum:
3. November 2015
Zeit:
19:00 - 21:00
Webseite:
http://pr-0013.sts-dl-02.smarttec.biz/events/aktionswochen-gegen-antisemitismus/

Veranstaltungsort

Hörsaal XIII, Hauptgebäude (Gebäude 100)
Albertus-Magnus-Platz 1
Köln, 50931
+ Google Karte

Veranstalter

Politikreferat
Telefon:
0221 – 470 2612
Webseite:
http://pr-0013.sts-dl-02.smarttec.biz/referate/politikreferat/