Am 11. und 12. Oktober findet die Tagung »Inklusion und Diversität als Herausforderung an Erziehung, Schule und LehrerInnenbildung« an der Humanwissenschaftlichen Fakultät statt. Der AStA unterstützt diese Tagung.

Alle Infos auf der Seite des CEDIS.

»Break on Through (To the Other Side)«

Im Wintersemester 2011/2012 beginnt die neue LehrerInnenausbildung an der Universität Köln. Zu ihren innovativen Kernbestandteilen gehört vor allem die Ausbildung zum Umgang mit Diversität und Inklusion. Das neue Kölner Modell setzt auf eine verbesserte Professionalisierung, einen Anschluss an die internationale Entwicklung in Theorie und Praxis und es will sowohl die Lehre wie die Forschung im Feld der Inklusion verbessern und kontinuierlich entwickeln.

Ziel der Tagung »Inklusion und Diversität als Herausforderung an Erziehung, Schule und LehrerInnenbildung« ist es zum einen, die bereits vorhandenen innovativen Potentiale an der Humanwissenschaftlichen Fakultät und an einer der größten LehrerInnen ausbildenden Hochschule in Europa aufzuzeigen und zusammenzuführen. Zum anderen soll mit der Tagung eine engere Verbindung zu parallelen Bemühungen der Kölner Stadtgesellschaft und zur Praxis im Bereich der Inklusion hergestellt werden.

Inklusion in Forschung und Praxis

In der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln wird Inklusion schon länger im Kontext der Diversitätsstudien erforscht. Sowohl interdisziplinäre humanwissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Reflexionen und Forschungsansätze zum Diversitäts-, Disability- und Intersektionalitätsansatz als auch Konzepte zum pädagogisch-praktischen und schulorganisatorischen Umgang mit Vielfalt und Heterogenität werden seit geraumer Zeit vom Center for Diversity Studies (CEDIS) und seinen Mitgliedern entwickelt. Beispiele für eine wissenschaftsgeleitete praktische Umsetzung von Inklusion sind vor allem das »school is open« – Schulgründungvorhaben mit dem Projekt einer universitären Praxisschule, der »Inklusiven Universitätsschule Köln – Eine Schule für alle!« . International liegt das »Equity Foundation Statement« des Toronto District School Board (Kanada) vor, an das Forschungen an der Universität anschließen. In den Bereichen »Ethnizitäten und Sprachen«, »Jugend, Sexualität und Geschlecht«, »Religion«, »Armut und Bildung«, »Alter« und »Förderschwerpunkte im Schulbereich« liegen ebenfalls Beispiele und Ansätze vor, die auf der Inklusionstagung thematisiert werden sollen. Zugleich sollen aber auch Fragen, Anregungen und Beispiele aus der Stadt und aus weiteren Projekten aufgegriffen und intersektional diskutiert werden.

Die UN-Konvention »Convention on the Rights of Persons with Disabilities« verlangt »Respect for inherent dignity, individual autonomy including the freedom to make one’s own choices, and independence of persons« . Sie ist auch in Deutschland für Schulen und Hochschulen verbindlich. Der gesellschaftliche, bildungs- und schulpolitische Impuls für ein inklusives Bildungssystems – etwa das Engagement von Elterninitiativen für die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder und von LehrerInnen in der Schulpraxis – hat dadurch weitere Dringlichkeit erhalten. Für die Stadt Köln z. B. liegt in diesem Kontext der Auftrag vor, bis Sommer 2012 einen »Inklusionsplan Kölner Schulen« vorzulegen.

Vielfalt respektieren – Ungleichheit abwenden

Inklusion und der humane Umgang mit Diversität sind ein umfassender Referenzrahmen staatlichen und administrativen Handelns im schulischen und schulpolitischen Bereich geworden. International kommt der inklusiven Bildung und Erziehung (»inclusive education«) eine treibende Kraft bei der Verbesserung der Chancengerechtigkeit aller SchülerInnen zu. Dies ist in der Bundesrepublik Deutschland bisher nur ansatzweise im Gemeinsamen Unterricht (GU) gelungen. Inklusion jedoch meint mehr: »Inklusion ist umfassender als das, was man früher mit Integration zu erreichen meinte. Sie ist ein gesellschaftlicher Anspruch, der besagt, dass die Gesellschaft ihrerseits Leistungen erbringen muss, die geeignet sind, Diskriminierungen von Menschen jeder Art und auf allen Ebenen abzubauen, um eine möglichst chancengerechte Entwicklung aller Menschen zu ermöglichen.«

Ungleichheit im Bildungssystem und im Schulalltag zeigt sich an ganz unterschiedlichen Stellen: Soziale Herkunft und Migrationshintergrund sind zentrale Faktoren für den Verlauf der Bildungsbiografie. SchülerInnen mit ‚Behinderungen‘ werden viel stärker als in anderen Ländern in spezielle Schulen aussortiert. Ausgrenzung findet alltäglich auch im Klassenzimmer und auf dem Schulhof statt – im Interaktionsprozess zwischen LehrerInnen und SchülerInnen ebenso wie zwischen den SchülerInnen. SchülerInnen werden diskriminiert aufgrund ihrer ihnen zugeschriebenen ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts oder weil ihre Eltern arm sind.

Eine Schule für alle!

Die Leitlinien der UNESCO für die Bildungs¬politik fordern an prominenter Stelle »die Berücksichtigung von Vielfalt in ökonomischen Voraussetzungen, sozialer Zugehörigkeit, Ethnizität, Sprache, Religion, Geschlecht, sexu¬eller Orientierung und Fähigkeiten«. Eine inklusive Schule hat die Aufgabe, allen LernerInnen gleichermaßen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Sie respektiert ihre Individualität und Einzigartigkeit und bildet sie auf einer gemeinsamen, nicht selektiven Basis aus. Inklusion bedeutet in Schule und Bildung ein gemeinsames Lernen und Lehren aller Kinder. Sie ermöglicht individuelle Unterstützung durch eine ausgeprägte Binnendifferenzierung – entsprechend dem jeweiligen biografischen Entwicklungsstatus. Sie ist durch Themenlinien und curriculare Säulen sowie durch eine respektierende und demokratische Schulkultur miteinander verbunden.

Inklusion umfasst alle Lebensbereiche und alle Lebensphasen eines Menschen. Inklusive Bildungssysteme passen sich beginnend mit der frühkindlichen Bildung an die verschiedenen Bedürfnisse von Lernenden an und ermöglichen allen in einem gemeinsamen Lernen die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die inklusive Schule ist ein Ort, an dem Bildung und Erziehung im multiprofessionellen Team verwirklicht werden. Auch die gendersensible Schule gehört ins Zentrum der Inklusion. Überkommene und tradierte Geschlechtsrollen können in einer inklusiven Schule abgemildert bzw. vermieden werden. Individuelle Vielfalt innerhalb der zugeschriebenen Geschlechtszugehörigkeit wird gefördert. Gleichzeitig kann Vielfalt ausprobiert werden, ohne sich auf eine Identitätskategorie festlegen zu müssen.

Ein inklusives Bildungswesen schließt niemanden aus und legt niemanden fest. Es gibt stattdessen einen demokratischen Raum dafür, gemeinsame Lernprozesse in Gang zu setzen und eine Entfaltung außerhalb festgeschriebener Rollenerwartungen und Zuschreibungen zu ermöglichen. Ein Referenzrahmen dafür ist das Equity Foundation Statement des Toronto District School Board, an dessen Standards entlang die Tagung inhaltlich und organisatorisch strukturiert ist. Ein Ergebnis der Tagung könnte sein, einen Kölner Inklusionsindex für die LehrerInnenausbildung, für die Universität und für die Kölner Schulen zu formulieren und Forderungen nach Mindeststandards an die verschiedenen Entscheidungsträger zu richten. Darüber hinaus könnte durch die Erarbeitung von Empfehlungen eine Zuarbeit zum entstehenden Kölner Inklusionsplan stattfinden.

An den beiden Tagen des Kongresses in der ersten Vorlesungswoche des Wintersemesters 2011/2012 können alle Studierenden und Lehrenden teilnehmen. Inklusion geht alle Hochschulangehörigen an. In verschiedenen Arbeitsphasen sollen in den thematischen Panels »Ethnizitäten und Sprachen«, »Jugend, Sexualität und Geschlecht«, »Religion«, »Armut und Bildung«, »Alter« und »Be-Hinderung« zentrale Aspekte von Diversität diskutiert und in einem inklusiven Abschlusspanel zusammen geführt werden. Wir bitten um Verständnis, dass die Tagung dazu einen Großteil der Räume der Humanwissenschaftlichen Fakultät benötigt.

Wir laden alle Interessierten herzlich zur Mitwirkung an dieser Veranstaltung ein.