Position des AStA der Uni Köln und Antrag an des Studierendenparlament
„Wissenschaft wird als solidarische Bemühung von Menschen in methodisch ausgewiesener und zielbewußter Erkenntnisarbeit gegen die Irrationalität der natürlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse unternommen, damit die Erde als der einheitlich gemeinsame Lebensraum einer brüderlichen Menschheit in Frieden bewohnt und mit Vernunft genutzt wird.“
Peter Fischer-Appelt u. Johannes Berger: Kreuznacher Hochschulkonzept. Reformziele der Bundesassistentenkonferenz, 2. Aufl. Bonn 1968
Die Lösung der Zukunftsfragen der Menschheit, der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, der Zugang zu Wasser und Gesundheit, die umfassende Verwirklichung von Menschen- und Völkerrecht sind nur aufgeklärt, international kooperativ und zivil möglich. Die Selbstverpflichtung der Universität auf Frieden, Nachhaltigkeit und Demokratie (Zivilklausel) und die Verwirklichung der „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen sind daher eine Aufgabe und Möglichkeit für alle Hochschulmitglieder und haben einen Vorbildcharakter für eine zivile, dem Menschheitsinteresse zuträglichen Entwicklung aller gesellschaftlichen Bereiche.
Dies gilt insbesondere für die Verpflichtung zu internationaler Zusammenarbeit für eine menschenwürdige Entwicklung, der explizit in der Grundordnung festgehalten ist: „Die Universität zu Köln entwickelt ihren Beitrag zu einer nachhaltigen, friedlichen und demokratischen Welt dadurch, dass sie ihren […] Aufgaben unabhängig von außerwissenschaftlichen Vorgaben nachkommt, insbesondere in ihrer internationalen Zusammenarbeit.“ (Aus der Zivilklausel der Uni Köln)
Bildung und Wissenschaft im Sinne globalen Menschheitsfortschritts hat nichts zu verheimlichen und kein Wissen zu sichern oder abzuschotten, sondern lebt umgekehrt von offener Debatte und Kritik, von der Öffnung der Hochschultüren für alle, von unterschiedlichen Perspektiven, Standpunkten und möglichst weiter Verbreitung. Solches Grenzüberschreitendes Lernen und Wirken für eine menschenwürdige Entwicklung ist immer eine Alternative. Dafür steht exemplarisch der Aufbau von Wissenschaftskooperationen mit palästinensischen Hochschulen, der in der Medizin bereits praktiziert wird, und uniweit diskutiert wird, stehen online Sprachkurse für Menschen in Afghanistan, die Kooperation für die Entwicklung rechtsstaatlicher Strukturen im Irak oder der Aufbau von Kooperation und Expertise für eine ökologisch nachhaltige Entwicklung mit Ländern des arabischen Raums. (https://uni- koeln.de/universitaet/profil/international/global-responsibility). Die zivile
Entfaltung der Wissenschaft und des Lebens soll nicht durch die Militarisierung des Denkens und der Gesellschaft eingeschränkt werden.
Daher:
– engagiert sich der AStA dafür, dass die Selbstverpflichtung der Hochschule auf Frieden, Demokratie und Nachhaltigkeit zum lebendigen Maßstab von Studium, Lehre, Forschung, von internationalem akademischen Austausch und Wissenschaftskooperationen wird;
– setzt sich weiterhin für Zivilklauseln an allen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen ein und opponiert gegen alle Versuche, die Wissenschaften unter der Maßgabe von „Dual Use“ für Hochrüstung und geopolitische Machtpolitik zu instrumentalisieren;
– setzt sich dafür ein, dass die Verpflichtung zu Frieden, Nachhaltigkeit und Demokratie sowie die Verwirklichung der Sustainable Development Goals zum Ausgangspunkt für die Überarbeitung der Internationalisierungsstrategie wird und fordert alle Bereiche auf, sich aktiv in die Diskussion und Debatte einzubringen;
– fordert, dass der pauschale Abbruch der Kooperationen mit Russland rückgängig gemacht wird und die Zivilklausel als universeller Maßstab für die Weiterentwicklung aller Wissenschaftskooperationen angelegt wird – für die Kooperation mit russischen Hochschulen, wie für israelische, US-amerikanische und alle anderen weltweit;
– wendet sich gegen jedwede Restriktion bezügliche der Aufnahme eines Studiums oder der Annahme eines Arbeitsvertrages aus geopolitischem Kalkül und fordert umgekehrt Kreativität und Engagement für Öffnung der Hochschule für alle, um Feindbilder abzubauen, Völkerverständigung und zivilgesellschaftliche Kooperation auf allen Ebenen zu stärken;
– setzt sich für die Überwindung der Exzellenzinitiative und aller Konkurrenzorientierten Finanzierungssysteme und für einen Ausbau der öffentlichen Grundfinanzierung für kooperative und demokratische Wissenschaften ein.
„Wir setzen uns von denjenigen Auffassungen ab, für welche nicht der Mensch, sondern die Forschung an der Spitze steht. Wir glauben, dass Hochschulbetrieb nur soweit gerechtfertigt ist, als er Dienst am Menschen bleibt. Dieser Dienst ist nicht auf den Studenten beschränkt, sondern er gilt mittelbar und unmittelbar dem ganzen Volk. Menschliches Leben ist gemeinsames Leben von verantwortlichen Personen in der Welt. Nur als Teil dieses Lebens ist die Hochschule gerechtfertigt.“
(“Aus dem`Blaues Gutachten´. 1948 setzte die Militäradministration in der britischen Besatzungszone einen Studienausschuss ein, der im November 1948 das “blaue Gutachten veröffentlichte, erstellt unter Beteiligung von Wissenschaffenden, Kirchenvertretern, Gewerkschaften und Politik aus dem In- und Ausland.)