Konzept zur antikolonialen und antifaschistischen Uni-Geschichtsaufarbeitung

Wir haben einen Arbeitskreis zur Aufarbeitung der Universitätsgeschichte initiiert, der u. a. das Ziel der Umbenennung der nach NSDAP-Mitgliedern benannten Hörsälen hat. Wir wollen diese und weitere Hörsäle nach denjenigen benennen, die widersprochen und widerstanden haben, die für Wahrheit und Humanität eingestanden sind und die heute ein Vorbild für Bildung und Wissenschaft im Dienst des Menschen sind.

Hier findet sich das Konzept zur Unigeschichtsaufarbeitung als pdf. Es wird fortlaufend aktualisiert. Die Fußnoten sind aus dem pdf Dokument noch nicht vollständig in den Fließtext unten übertragen. 

 

 

Aufarbeitung der Uni Geschichte –
Lernen aus der Geschichte, Verantwortung für die Zukunft. 

„Unsere Untersuchung zielt auf das Verhältnis von Hochschule und Demokratie: Die Hochschule als Teil der Gesellschaft kann
sich der Alternative unserer historischen Lage nicht entziehen. Entweder sie wirkt mit an der dynamischen Weiterentwicklung zur sozialen Demokratie und der Demokratisierung der Gesellschaft, oder sie wird zum Instrument einer Entwicklung zu autoritären Gesellschaftsformen. Im zweiten Fall müsste sie vollends den ihr eigenen Anspruch der Aufklärung aufgeben: Mündigkeit und Selbstbestimmung der Menschen in einer vernünftigen, freien Gesellschaft zu verwirklichen.“ 

(Hochschuldenkschrift „Hochschule in der Demokratie“, vom historischen SDS, 1961) 

 

1) Ziele 

Die Aufarbeitung der Geschichte der Universität Köln ist wie in der gesamten BR West weitgehend unter den Tisch gekehrt worden, erst in den
’68er-Jahren hat mit der Tendenz der Re-Nazifizierung durch ehemalige Nazi-Professoren gebrochen. In vielen Bereichen hat eine Aufarbeitung
allerdings noch erheblich später stattgefunden. Zwar hat die Universität mit einem fachwissenschaftlichen Gutachten zu NS-Verstrickungen an der
Universität, Beiträgen zum Thema Kolonialismus im Universitätsmagazin oder der Unterstützung der Publikation der „Die Universität zu Köln im
Nationalsozialismus“ erste Anstrengungen zur Geschichtsaufarbeitung gezeigt, diese blieben jedoch folgenlos. Bis heute hängen im Rektorat die Bilder der Nazi-Rektoren, bis heute sind drei Hörsäle nach ehemaligen NSDAP- oder SA-Mitgliedern benannt, während antifaschistischer Widerstand und die Bedeutung sozial emanzipatorischer Hochschulmitglieder wenig sichtbar sind. Den meisten Universitätsmitgliedern ist die Geschichte dieser Personen und dieser Universität nicht bekannt.

 

Bei der Aufarbeitung der Geschichte geht es uns um zweierlei: 

1)    Grundlagen für eine langfristig angelegte, sichtbare sowie antikolonialistisch und antifaschistisch orientierte Erinnerungskultur an
der Universität zu legen. Dazu zählt unter Anderem eine Aufarbeitung in allen Fachbereichen der Universität, eine Verankerung  in den Curricula der Studiengänge (z.B. kritische Einordnung der eigenen Fachgeschichte) sowie eine Sichtbarmachung und Einordnung der kolonialen und NS-Vergangenheit in den Räumlichkeiten der Universität (z.B. in Form von Infotafeln). 

2)    Die nach ehemaligen SA-/NSDAP-Mitgliedern benannten (Müller-Armack, Erich Gutenberg, Kurt Alder sowie möglicherweise weitere
Hörsäle) umzubenennen und zu erwirken, dass die Bilder der Nazi-Rektoren abgehängt und beispielsweise dem NS-Dok übergeben werden sowie der leere Platz Porträts denjenigen gewidmet wird, die widerstanden haben. Dabei soll explizit die Geschichte der Portraits und Hörsaalbenennung nicht versteckt, sondern auf die Verbindungen der Personen in das NS-Regime und den Umwidmungsprozess hingewiesen werden.

 

Dafür gibt es bereits zahlreiche, gut recherchierte offene Briefe und Beschlüsse der Studierendenschaft, u. a. diesen hier: 

http://www.campusgruen.uni-koeln.de/wp-content/uploads/2020/12/Offener-Brief.pdf

 

Die Vorschläge sind dabei explizit als erster Anstoß und nicht als vollständige Auflistung zu verstehen. Weitere Anknüpfungspunkte sind
gerne willkommen.

 

2) Warum Geschichtsaufarbeitung? 

Die Universität ist keine starre, abgeschlossene und unveränderbare Lernfabrik, sondern menschengemacht, historisch und im hier und
heute umkämpft. Erinnerung dient dabei keinem Selbstzweck, sondern soll Studierende darin unterstützen, historische Narrative kritisch zu hinterfragen und zur Eigenverantwortung zu ermutigen.  Die soziale Öffnung der Hochschule, gesellschaftskritische Ansätze in den Wissenschaften, Bafög, eine weiterhin dominant zivile Ausrichtung der Wissenschaften sind Resultat gerade studentischer Kämpfe. Über die Hochschule hinaus, hat das Handeln von Studierenden, Lehrenden und allen Mitgliedern der Hochschule zentrale Bedeutung für alle – Wissenschaften ist immer eingebunden in Fragen der Ursachen sowie Überwindung von Krieg, Armut und Diskriminierung. 

Mit der Aufarbeitung der Hochschulgeschichte soll die Beteiligung an Kolonialismus und Faschismus folgenreich aufgearbeitet werden,
um Konsequenzen für eine global verantwortliche Entwicklung der Wissenschaften für heute zu ziehen. Es soll für alle Hochschulmitglieder sichtbar gemacht werden, inwiefern die Universität als Institution in den Kolonialismus und Nationalsozialismus eingebunden war. 

Ziel des Aufarbeitungsprozesses ist zudem diejenigen zu würdigen, die Unrecht widersprochen haben, die Vorbilder für gesellschaftlichen
Aufbruch waren und deren Wirken dafür steht, dass Widerstand gegen Ungerechtigkeiten immer möglich war und ist. Gleichzeitig soll kritisch der
Frage nachgegangen werden, weshalb und wofür derzeit Personen an der Universität gewürdigt werden und deren Handeln ganzheitlich eingeordnet werden. 

 

3) Erste Vorschläge für eine inhaltliche Schwerpunktlegungen

Grundsätzlich geht es darum, eine grundlegende Aufarbeitung der Geschichte der 1919 neu gegründeten Universität zu fördern und diese an der
Universität sichtbar zu machen.

Als studentische Interessenvertretung wollen wir insbesondere für zwei Bereiche der Geschichtsaufarbeitung Initiative ergreifen: Die Rolle der Studierenden und spezifisch die Bedeutung / Entwicklung von studentischem Austausch. 

 

3.1 Zur Rolle der Studierenden – erste Gedanken: 

Die unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg neu gegründete Universität galt als „Weimarer Universität“ und als auf Seiten der
Republik stehend. Ein Großteil der ersten Generation von Studierenden waren „Kriegsstudenten“, über die der damalige Rektor Karl Thiess
sagt: 

 

„Anfangs klang die Sprache der Volksversammlungen, der Bierbänke in allen Seminaren wieder. Namentlich die ganz jungen Kriegsgefangenen hatten Schlagwortschatz und 
Gedankenwelt der jungen Arbeiterkameraden getreulich aufgenommen, d. h. die Gedanken der Sozialisten und das Programm der Gewerkschaften (…)

 

In der Anfangszeit der Universität konnte offenkundig eine linke, jüdische Studentin wie Jenny Gusyk im AStA der Universität wirken –
gleichzeitig war der Antisemitismus von Anfang an in der Studierendenschaft vorhanden und wurde gerade von Burschenschaften verbreitet. 

 

Beispiele für Fragen: 

      Welche fortschrittlichen Personen und Ansätze gab es in der Studierendenschaft, die heute möglicherweise in Vergessenheit
geraten sind? 

      Welche Rolle haben die Burschenschaften gespielt, bei der Förderung von nationalistischer und faschistischer Ideologie,
welche Kontinuitäten wirken bis heute? 

      Welche Rolle hat die elitäre Verfasstheit und die massive Armut unter Studierenden für den Aufstieg faschistischen
Gedankenguts gespielt? 

      Gab es an der Universität Köln studentischen Widerstand zwischen 1933 und 1945? 

      Zu ´68: Was war in Köln die Spezifik der 68er-Jahre – ist z. B. die Gewerkschaftliche Orientierung ein Spezifikum? 

 

3.2 internationaler studentischer Austausch: 

Anlässe für diesen Schwerpunkt sind zwei: Das International Office feiert 2028 sein hundertjähriges Bestehen. Die Auseinandersetzung um die
Ausrichtung der internationalen Kooperation ist heute insbesondere umstritten – seitens der Bundesregierung wird zunehmend darauf gedrungen im „nationalen Interesse“, unter Berücksichtigung sogenannter Sicherheitsinteressen zu kooperieren. Zunehmend werden Studierende aus nicht-europäischen Ländern unter Generalverdacht gestellt.  Gleichzeitig gibt es wachsende Bestrebungen internationaler Kooperation mit Ländern des „globalen Südens“ und auch mit den palästinensischen Gebieten. 

 

Kritisch aufzuarbeiten ist hier auf jeden Fall die Verstrickung der Universität in den Kolonialismus und die Kontinuität von kolonialem Denken und Faschismus. 

Bezogen auf den Gedanken der Völkerverständigung ist die Gründung der Universität ambivalent – er spielt in der Anfangszeit allerdings immer wieder eine Rolle. Häufig werden Patriotismus und Völkerverständigung verbunden – exemplarisch hier ein Zitat vom damaligen Rektor Stier-Somlo 1926 zum Auslandsstudium: 

 

„Daneben dürfen wir aber durchaus gelten lassen, daß auch ein völkerverbindendes, also in diesem Sinne durchaus humanitäres Allgemeininteresse für den Entschluß zum Auslandsstudium mit in die Waagschale geworfen werden kann. Bei allem Festhalten an deutscher Eigenart und deutschem Persönlichkeitswert können wir den starken Zug nach Völkerverständigung, die im Grunde genommen eine Menschenverständigung untereinander ist, nicht ausschalten.“

 

Die Gründung des Akademischen Außenamtes geht wesentlich auf instrumentelle Überlegungen zurück – es geht u. a. darum, im internationalen Wettbewerb mit Frankreich konkurrieren zu können und das Ansehen Deutschlands zu stärken.

 

Internationaler studentischer Austausch zu instrumentellen Zwecken ist auch im Faschismus fortgesetzt worden. hier ein Zitat des Vorsitzenden des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes von 1935, Wilhelm Burmeister: 

 

„Die hinausgehenden Austauschstudenten geniessen allen anderen gegenüber ein besonderes Vorrecht. Sie haben die Möglichkeit, sich im Ausland besonders in politischer und charakterlicher Hinsicht auszubilden. Es wird daher auch von Ihnen nach der Rückkehr erwartet, dass sie in der Lage sind, die draussen gewonnenen Erfahrungen in ihren Berufen und an anderen Stellen für die Gesamtheit nutzbringend zu verwerten. Diese Erwartung kann man nur dann haben, wenn bei der Auslese nur solche Menschen berücksichtigt werden, die in ihrer Anlage als Träger
nationalsozialistischen Gedankengutes anzusehen sind und in der völkischen Idee wurzeln, nicht auf Grund einer äusseren wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, sondern auf Grund eines inneren Erlebnisses, das ihre weitere Ausbildung formt und prägt.“

 

Gleiches galt für die „Willkommenskultur“ im Faschismus: 

 

„Aus Sicht der Reichsführung ging es bei der NS-Willkommenskultur an den Universitäten also nicht nur um kulturpolitische Propaganda, sondern auch um handfeste Kontrolle, Überwachung und Instrumentalisierung.“ 

 

(Johannes Müller: „Akademischer Austausch und Mobilität für Studium und Forschung: Von der Akademischen Auslandsstelle zum Dezernat 9 Internationales“. Geschichte des International Office der Universität zu Köln 1928-2018. Teil I: Von den Anfängen bis zum Ende der „Ära
Schalk“ 1928-1961) 

 Interessant wäre weiterhin, wie sich im Zuge von 1968 internationaler Austausch grundlegend gewandelt hat. 

Anknüpfungspunkte hier: Susanne Preuschhoff im International Office sammelt Unterlagen vom International Office- u. a. Broschüren von 1970, in denen der weltoffene und zugewandte Charakter des damaligen Auslandsbüros deutlich wird. 

 

Später sind für Köln u. a. von Relevanz: 

      Die internationalistische Ausrichtung der Evangelischen Studierendengemeinde und die Solidarität mit Nicaragua. Dafür steht insbesondere die Person Henrique Schmidt Cuadra, ein Student, der Ende der 60er Jahre in Köln studiert hat, als Auslandsreferent im AStA tätig war und an der nicaraguanischen Revolution beteiligt war. Hier ein Zitat aus der taz: 

„Schmidts Tod hatte weitreichende Folgen, auch für Köln. Hier hatte der Maschinenbauer Ende der 60er Jahre studiert, erste politische Kontakte zur deutschen Linken geknüpft. Sein Büro als AStA-Auslandsreferent an der Universität lag gegenüber dem des heutigen Kölner DGB-Vorsitzenden Wolfgang Uellenberg-van Dawen. Schmidt sei ein „unabhängiger, demokratischer Sozialist gewesen“, erinnert sich der Gewerkschafter heute. https://taz.de/Ein-mitreissender-Revolutionaer/!679280/ 

      Die Tradition der Palästina Solidarität an der Uni Köln. Die Palästinensische Gemeinde Deutschlands und Europas hatte ihren Hauptsitz in Köln, palästinensische Studierende waren im AStA und haben diese Arbeit vorangetrieben. U. a. die beiden aktuellen Vorsitzenden können davon berichten. 

 

4. Beispiele für Mitglieder der Uni Köln, nach denen Hörsäle benannt werden könnten: 

 

A) Jenny Gusyk. 

Die Universität Köln benennt den Gleichstellungspreis der Universität nach ihr. Dabei wird wenig betont, dass sie insbesondere politisch links eingestellt war. 

Jenny Stucke (geb. Gusyk; * 29. Mai 1897 in Wilkowischky, heute Vilkaviškis, Litauen; † 2. Januar 1944 im KZ Auschwitz) war eine jüdische und politisch links eingestellte Frau mit türkischer Staatsangehörigkeit, die als erste Studentin und Ausländerin an der Universität zu Köln immatrikuliert wurde. Sie wurde in Auschwitz ermordet. 

Jenny Gusyk war im AStA tätig. Ihre Diplomarbeit hat sie über den Sozialisten und Kriegsgegner Jean Jaures geschrieben. Ihre fertiggestellte Dissertation wurde nicht zugelassen, da diese Wirtschaftswissenschaftler und Gründungsrektor Christian Eckert  angeblich „zu kommunistisch durchdrungen“ sei.

Leider sind von Jenny Gusyk keine Schriften erhalten. Ein Detail aus ihrem Leben, das aber viel über ihre politische Einstellung schließen lässt, ist, dass ihr Mann Mitglied einer kommunistischen Organisation und bereits vor ihr in einem Konzentrationslager inhaftiert worden war. Sie hat
es geschafft, ihn im Lager zu besuchen. Es ist zu vermuten, dass Jenny Gusyk sich in linken Kreisen aufhielt und dort ihren Mann kennengelernt hat.

 

B) Benedikt Schmittmann

Benedikt Schmittmann war Hochschullehrer der Sozialwirtschaftslehre und gilt vor allem als Föderalist. Weniger bekannt ist, dass er auch Mitglied des Bundes katholischer Pazifisten, Kriegsgegner und Internationalist war. In seinen Schriften äußert er sich sowohl antikapitalistisch als auch anti-sozialistisch und fordert einen „dritten Weg“, in dem das Menschentum und nicht der Profit im Mittelpunkt steht. Er hat die „Väter des Grundgesetzes“ mit inspiriert. Berichtet wird über ihn, dass ihm der Dialog auf Augenhöhe mit den Studierenden extrem wichtig war. 

Das wird auch in seinem Artikel „Die Verdrängung des sozialwissenschaftlichen Universitätsstudiums durch das Wirtschaftsdiplom. Kritisches zur neuen Volkswirtdiplomprüfung.“ von 1926 deutlich: 

 „Wer tief davon durchdrungen ist, dass der vornehmste Zweck der Universität nicht in dem vermittelten Fachwissen liegt, sondern in der Anleitung zum selbständigen Denken und Forschen, der ist erschüttert über den Missgriff der hier neu  eingeführten Prüfungsordnung. (….) Um nur die allernötigsten Grundlagen dieser acht Prüfungsfächer sich anzueignen, muß der Studierende auf allen Gebieten von vornherein auf jedes tiefere Eindringen verzichten und sich ganz einseitig einer Anhäufung von Wissensstoff hingeben, womit er meist für sein ganzes späteres Leben zu jeder tiefschürfenden wissenschaftlichen Arbeit unfähig gemacht wird. Sie führen zum ‚Notizenwissen’, aber nicht zum Verständnis der Dinge.“ 

Er verlor seine Professur wegen „nationaler Unzuverlässigkeit“ nach 1933 und wurde in „Schutzhaft“ genommen.

1939 wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg deportiert.

Seiner Frau, Helene Wahlen, ist es nach seiner Ermordung im KZ Sachsenhausen im Jahr 1939 gelungen, im und gegen den Faschismus seinen
letzten Willen durchzusetzen: Die Nutzung seines Vermögens für eine
Stiftung, mit der ein Studentenwohn gegründet wurde. Das Wohnheim existiert bis heute, bei der letzten antifaschistischen Lesung am Jahrestags der Bücherverbrennung haben Kommilitonen aus dem Wohnheim
von ihrem Zusammenleben und von Benedikt Schmittmann erzählt. Zudem gibt es an der Universität ein Helene Wahlen / Benedikt Schmittmann Stipendium. 

 Hellsichtig und sehr aktuell seine Gedanken über ein nicht-imperiales Europa, was einzig friedlicher Teil eines Völkerbundes werden kann:  

 „Heute denken sich nur allzu viele Pan-Europa als einen Staatenbund, genauso imperialistisch wie die einzelnen Machtstaaten. (…) Das ist nur eine Verschiebung des Krieges auf erdteilgroße Ausmaße, also eine Steigerung, statt einer Minderung des Kriegswahnsinns. Nur eine Überwindung des machtstaatlichen Imperialismus ansich kann diesen Menschheitsfluch bannen und Europa zum ‚Glied’ einer Völkergemeinschaft machen.“ 

(„Grundkräfte zur Neugestaltung Europas“, 1928, Benedikt Schmittmann)

 

Sehr bemerkenswerte Würdigungen von Benedikt Schmittmann finden sich bei der Gedenkveranstaltung zu seinem 80 Todestag an der Gedenkstätte Sachsenhausen.[1]

 

c) Julius Lips

Julius Lips war Ethnologe und Sozialdemokrat, der gegen den (kolonialen) Strom geschwommen ist. Bis 1933 war er Leiter des Rautenstrauch-Joest-Museum bis er nach der Machtübertragung an die Nazis aus allen Ämtern entlassen wurde. 1934 emigrierte er über Frankreich in die USA. In
seinem 1937 erschienenen Buch „The Savage Hits Back“ („der Wilde schlägt zurück“) dreht er den kolonialen Blick um und beschreibt die
Europäer aus Sicht der Indigenen Völker. Das Werk wurde umgehend vom NS-Regime verboten. Nach dem zweiten Weltkrieg ist er nicht in die weiter von Nazis durchsetzte Universität Köln zurückgekehrt, sondern hat in der DDR gelehrt.[2] 

 

Er war entschiedener Gegner und Teil des Widerstandes gegen das NS-Regime. Lips nahm an Einheitsfrontversuchen ähnlich dem Lutetia-Kreis in Frankreich teil. 1937 betätigte er sich im Bund Freiheitlicher Sozialisten. 1944 war er Mitglied des Council for a Democratic Germany. (Wikipedia). Das Rautenstrauch-Joest-Museum hat vor einigen Jahren eine Ausstellung über ihn gemacht. 

 

In seiner Forschung vertrat er die These vertreten, dass der „Krieg aller gegen aller“ nicht in der Natur des Menschen angelegt ist. So schreibt der Archäologe Harald Meller, dass Krieg in „99% der Menschheitsgeschichte“ inexistent war.[3] Meller hat selbst auch in Köln gelehrt.

 

d) Freimut Schwarz, Student der Literaturwissenschaft, Mitarbeiter von Julius Lips

 

“Geboren wurde Freimut Schwarz am 28. April vor 100 Jahren in einem Dorf na­mens Sotter­bach bei Köln. An der dortigen Uni­ver­sität stu­dierte er Lite­ratur­geschich­te, später Ethnologie. Der Inhaber dieses Lehrstuhls, Julius Lips, stellte sich 1933 als Jude [Anmerkung: Nach unserem Wissen war Julius Lips nicht jüdisch] gegen die rassis­tische Instrumen­tali­sierung des Faches. Schwarz folgte ihm als Mit­arbei­ter nach Paris. Dann trenn­ten sich die Wege; Lips zog in die USA, um an der Columbia Univer­sity eine Dozentur anzu­treten, Schwarz nach England. Er war nichts, aber hatte auf­begehrt. Das war etwas. Kost­ba­rer als jeder Beruf. Seine Kommi­lito­nen hatten ihren einzig­artigen Lehrer im Stich gelassen und sich dem Nazisystem unter­worfen. Dieses Grund­erleb­nis war dem 20jäh­rigen zur po­liti­schen und lite­rarischen Initiation geworden.”[4]

 

 

e) Gustav Heinemann

Heinemann war Bundespräsident von 1969 bis 1974. Bekannt ist von ihm: „Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken unterwiesen wurde, sondern heute ist der Frieden der Ernstfall.
Hinter dem Frieden gibt es keine Existenz mehr“ (Gustav Heinemann bei seiner Antrittsrede als Bundespräsident 1969)“

 

Heinemann hat bis zum Wintersemester 1938/39 in Köln gelehrt: Gustav Heinemann, der spätere Bundespräsident, nahm seit 1933 an der
Kölner Rechtswissenschaftlichen Fakultät einen Lehrauftrag für Berg- und Wirtschaftsrecht wahr, wofür er als Justitiar der Rheinischen Stahlwerke in
Essen als Experte galt. Den Nazis war Heinemann aber als Rechtsberater der Bekennenden Kirche und als früheres Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei ein Dorn im Auge. Schultze schickte Birkenkamp einen Auszug aus einem „Gutachten“ über Heinemann, dass zu folgendem Schluss kommt:

 

„Der nationalsozialistischen Weltanschauung steht H. ablehnend gegenüber. Er ist Berater des B.K. Pfarrers Graeber und betätigt sich intensiv in der Bekenntnisfront. In seiner gesamten Haltung ist H. politisch und weltanschaulich unzuverlässig und als Wirtschaftsführer in einer nationalsozialistischen Wirtschaft unbrauchbar und gefährlich.“ 168

 

Schultze bat um Überprüfung dieser Einschätzung und wies Birkenkamp dann unmissverständlich an:

„Trifft diese Beurteilung in allen Punkten zu, muss unbedingt Sorge dafür getragen werden, dass Heinemann aus dem Hochschuldienst sobald als möglich verschwindet.“

Im Wintersemester 1938/39 hielt Heinemann seine Lehrveranstaltung zum letzten Mal, danach wurde sein Lehrauftrag nicht verlängert.“ 

 

f) Hans Kelsen

 

       Zu ihm gibt es bereits einen Preis, einen Gastlehrstuhl und die “Hans Kelsen Memorial Lectors”.

 

Zur Gastprofessur heißt es:

 

“Die Gastprofessur trägt den Namen Hans Kelsens, im Andenken an den bedeutenden Rechtstheoretiker sowie Staats- und Völkerrechtler, der 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner demokratischen Überzeugungen zwangsweise aus dem Dienst der Universität zu Köln entlassen wurde.[5] 

 

 

 

5. Nach SA/NSDAP Mitgliedern benannte Hörsäle

a) Müller-Armack Hörsaal in der WiSo. 

Müller-Armack gilt als Mitbegründer der „sozialen Marktwirtschaft“. Dabei positionierte er sich bereits in der Weimarer Republik als scharfer Kritiker des demokratischen Interventionsstaates und plädierte unter ausdrücklicher Bewunderung des italienischen Faschismus für einen autoritären „starken Staat“, der die Marktwirtschaft notfalls mit Zwang absichern sollte. Im Mai 1933 trat er der NSDAP bei und publizierte im selben Jahr „Staatsidee und Wirtschaftsordnung im neuen Reich“, in dem er den Faschismus als die dem Wirtschaftsgeschehen der Zeit angemessene Staatsform feierte. Nach 1945 passte Müller-Armack sein Programm an eine demokratische Gesellschaft an. An seiner Person wird deutlich, dass die Konzeption der „sozialen Marktwirtschaft“ in keiner demokratischen Gesellschaft, sondern im Faschismus entwickelt wurde. 

 

Die Gründe für die Ablehnung der Weimarer Republik und die Konformität mit dem Faschismus lässt sich an Aussagen ablesen, die an sozialdarwinistische Konzepte von Friedrich von Hayek erinnern.

„Der Erfolg des Kapitalismus beruht nicht auf dem Rationalismus.”  Und: “Vielmehr erhält diese Dynamik ihre Richtung durch den ‚Marktprozess‘, der ein offenes Selektionsinstrument darstellt.(Aus dem Englischen rückübersetzt)

Ptak, Ralf, ‚Alfred Müller-Armack: The ‘State Idea’ and the economic order—metamorphoses from 1932 to 1978‘, in Thomas Biebricher, Peter Nedergaard, and Werner Bonefeld (eds), The Oxford Handbook of Ordoliberalism, Oxford Handbooks (2022; online edn, Oxford Academic, 20 Oct. 2022), https://doi.org/10.1093/oxfordhb/9780198861201.013.10

 

b) Kurt Alder Hörsaal in der Chemie.

Kurt Alder war Chemiker und Nobelpreisträger. Er hat für die IG Farben gearbeitet und war Mitglied der SA. Er gehörte allerdings später (1955)  zu den Unterzeichnern der „Mainauer Erklärung“, die sich gegen die von Adenauer geplante Bewaffnung der BRD mit Atomwaffen gerichtet hat. 

Die SA-Mitgliedschaft von Kurt Alder wird in einem Artikel von Alexander Fladerer und Reinhard Strey, beide ehemalige Mitglieder des Institutes für physikalische Chemie, unter dem Titel „Karriere mit Hindernissen“ als vermeintlich notwendiges Mittel zur Weiterarbeit mehr oder weniger legitimiert.[6]
Damit wird nicht nur die stillschweigende Akzeptanz, sondern letzendlich selbst die Beteiligung an Menschheitsverbrechen aus Opportunitätserwägungen gerechtfertigt, wie es nach 1945 massenhaft stattgefunden hat. 

 

In der Ausstellung „…von Anilin bis Zwangsarbeit. Der Weg eines Monopols durch die Geschichte. Zur Entstehung und Entwicklung der deutschen chemischen Industrie“ der Bundesfachschaftentagung Chemie ist die Rolle der IG Farben aufgearbeitet worden.[7]

Der IG Farben Konzern war ein Zusammenschluss der großen deutschen Chemiekonzerne, die bis heute existieren – unter anderem gehörten
Bayer und BASF dazu.

 

 

 

c) Erich Gutenberg Hörsaal 

Erich Gutenberg war SA und NSDAP Mitglied. Wikipedia schreibt, u. a.: Er zählt zu den meistzitierten deutschsprachigen Betriebswirten.[8]

Er war Soldat im 1. und 2. Weltkrieg und erhielt 1914 und 1918 das “Frontkämpferehrenkreuz”, 1939 das “Eiserne Kreuz erster Klasse” von Adolf Hitler und 1968 das “Große Bundesverdienstkreuz” in der BRD. Er war Mitglied im:

       NSRB, dem “Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund“

       In der NSV, der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“,

       der NSDAP

      der SA

      der Reichsdozentenschaft

       und ab 1954 dem Wiss. Beirat Bundeswirtschaftsministerium

 

Er war während und nach dem Faschismus als Professor tätig und hat “bruchlos” Karriere gemacht – nach 1945 u. a. an der Uni Köln. In Köln ist nach ihm auch das Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln-Buchheim benannt.[9]

Erich Gutenberg steht für die Kontinuität und Verherrlichung des Militarismus über zwei Weltkriege, für Opportunismus und die personelle Kontinuität von NS-Mitgliedern an den Universitäten nach 1945.

 

 

d) Weitere einflussreiche Universitätsmitglieder, mit denen sich eine beschäftigung lohnen könnte

Hans Carl Nipperdey

Hans Carl Nipperday gründete 1929 das Institut für Wirtschafts- und Arbeitsrecht an der Universität zu Köln. Auf der Webseite des Institus für Wirtschafts- und Arbeitsrecht schreibt das Institut dazu selbst: 

“Alles in allem war das Institut für Arbeits-, Wirtschafts- und Auslandsrecht ein Erfolg der Selbsthilfe. Von 1929 bis 1933 blühte es auf. Danach stagnierte es
in den Jahren 1933-1945.”
https://awr.uni-koeln.de/institut/geschichte

 

Dabei gerät in Vergessenheit, dass sich Nipperdey 1933 der SA anschloss. Er konnte seine Lehrtätigkeit fortsetzen und war in der nationalsozialistischen Rechtswissenschaft tätig. Auf Wikipedia heißt es:

Nipperdey wurde Mitglied der Akademie für Deutsches Recht und beteiligte sich hier mit an der Erarbeitung eines Volksgesetzbuches – eines Versuchs, das Bürgerliche Gesetzbuch durch
ein an den Prinzipien des Nationalsozialismus ausgerichtetes Zivilgesetzbuch zu ersetzen.
[6] Nipperdey beteiligte sich während des Zweiten Weltkriegs am Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften.[4] Er gehörte zu den führenden Rechtswissenschaftlern, welche die Anpassung des Arbeitsrechts an die Ideologie des Nationalsozialismus vorantrieben. Zusammen mit Alfred Hueck hat Nipperdey 1934 durch das von ihnen ausgearbeitete nationalsozialistische Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit das Wirtschaftsleben unter dem Hakenkreuz quasi gleichgeschaltet und somit auch in den Betrieben das Führerprinzip eingeführt und beseitigte damit die letzten Reste des Weimarer Arbeitsrechts.[7] Den Vorgesetzten wurde damit absolute Befehlsgewalt übertragen, wodurch die Untergebenen als „Gefolgschaft“ (nicht etwa Belegschaft) zum unbedingten Gehorsam verpflichtet wurden. Im Vorwort des Gesetzes erklärte er: „was vor allem nötig ist, ist die Erziehung zur rechten Gesinnung“.[8] […]

Nipperdey wandte seine im Nationalsozialismus entwickelten Überzeugungen zum Arbeitsrecht auch in seinem Wirken als Richter in der Bundesrepublik Deutschland an. Er hat somit das restriktive deutsche Arbeitsrecht bis heute nachhaltig geprägt.”

Carl Schmitt (Gegenspieler von Hans Kelsen)

Infos hier:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/533599/carl-schmitt-siegt-ueber-hans-kelsen-das-ende-der-weimarer-republik-im-spiegel-juristischer-publizistik/

 

Konrad Adenauer 

 

Konrad Adenauer ist wahrscheinlich die historische Persönlichkeit, mit dem sich die Universität brüstet und für sich wirbt. Er hatte eine maßgebliche Bedeutung für die Universität, weil er die Neugründung der Universität 1919 entscheidend mit ermöglicht hat. Daran anknüpfend hatte die Bewerbung der Universität zur Exzellenzinitiative den Titel “neue Universität”. 

 

Ausgeblendet wird dabei, dass Konrad Adenauer ein Anhänger der genozidalen deutschen Kolonialpolitik und Förderer der Monopole war, die Hitler an die Macht gebracht haben.

Dafür steht z. B. ein Interview von Konrad Adenauer, dass er 1927 gegeben hat: 

 

„Das Deutsche Reich muß unbedingt den Erwerb von Kolonien anstreben. Im Reiche selbst ist zu wenig Raum für die große Bevölkerung. Gerade die etwas wagemutigen, stark vorwärtsstrebenden Elemente, die sich im Lande selbst nicht betätigen konnten, aber in den Kolonien ein Feld für ihre Tätigkeit finden, gehen uns dauernd verloren. Wir müssen für unser Volk mehr Raum haben und darum Kolonien.“

 

Wie Müller-Armack war er ein Anhänger des italienischen Faschismus unter Mussolini. Er sprach sich für eine Beteiligung der NSDAP an der Regierung aus. Mit zahlreichen Zitaten von Adenauer selbst hat dies u. a. Werner Rügemer aufgearbeitet. Der Aktualität und Brisanz halber ist er hier ausführlicher zitiert: 

“Adenauer äußerte (…) `tiefe Bewunderung für das große Werk, das in Italien vollbracht worden ist´. Der Faschismus habe `unbestreitbar mehr geleistet als der Parlamentarismus´, vor allem gegen die bolschewistische Gefahr.

So handelte Adenauer auch in Deutschland. Zur Überwindung der politischen Krise müssen `alle konservativen Kräfte zwischen Zentrum und NSDAP´ versammelt werden, erklärte er im August 1932. `Die Zentrumspartei verlangt dringend den Eintritt der Nationalsozialisten in die Reichsregierung.´ Adenauer war mit dem Bankier Kurt Freiherr von Schröder befreundet. 

Sie kannten sich aus dem Kölner Rotary Club und als Mitglieder des Preußischen Herrenhauses. Sie waren Nachbarn im Kölner Villenviertel Lindenthal und besuchten sich mit Ehefrauen zum Abendessen. Der Bankier war Mitglied der NSDAP. Adenauer überreichte dem Nachbarn in dessen Villa 1932 die schriftliche Garantieerklärung: Das Zentrum wird `Hitler unvoreingenommen nur nach dessen Leistungen beurteilen und als Reichskanzler tolerieren´. Im Rotary-Club warb Adenauer im Dezember 1932 vor Industriellen und Bankern dafür, `dass, sobald die politische Lage das erlaubt, in Preußen eine Regierung zusammen mit den Nationalsozialisten gebildet wird.´ 

Am 4.1.1933 führte Bankier von Schröder in seiner Kölner Villa Hitler und den Zentrumspolitiker und Exkanzler Franz von Papen zusammen. Damit wurde die Kanzlerschaft Hitlers eingefädelt, mit von Papen als Vizekanzler. (…) 

 

1947 trat dieser spezielle „NS Verfolgte“ sofort mit der Gründung in die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) ein. Grundlage der VVN war der „Schwur von Buchenwald“: Entnazifizierung, Antifaschistische Einheit, Entmilitarisierung, Völkerverständigung. Aber der gelernte Opportunist machte das Gegenteil. (…) 

Adenauer hatte mit seiner VVN -Mitgliedschaft den Schwur von Buchenwald unterschrieben. Den verkehrte der Vorsitzende der erneuert christlich lackierten Partei ins Gegenteil. 

Die Freunde Flick, Abs & Co stellten ihre Spenden um, von Hitlers NSDAP auf Adenauers CDU und die Hilfsparteien CSU und FDP. Die Unternehmen und Banken gehörten weiter ihren NS-Profiteuren. Behörden, Geheimdienste, Bundeswehr und Leitmedien wurden von Ex-NS-Funktionären geführt. Arisiertes Eigentum wurde nicht zurückgegeben, aus professionellen Antisemiten wurden professionelle Prosemiten.

Adenauer unterstellte das antikommunistische und antirussische Potential Deutschlands nun dem US-Kapitalismus. Im Adenauer-Staat und in den USA fanden Ex-NS-Aktivisten aus Osteuropa eine neue Heimat, etwa aus dem Baltikum, aus Kroatien und der Ukraine. 

Hell und lebendig treten die dunklen Schatten der Vergangenheit ins Licht, immer wieder, noch. ”   

Zudem ist unter der Regierung Adenauer die Restauration der alten Eliten und der ehemaliger Nazis in allen Bereichen der Gesellschaft erfolgt.

Für das fortbestehen antisemitischer Ressentiments stehen Aussagen Adnauers, wie diese 1966 in einem Interview mit Günter Gaus: 

 

„Wir hatten den Juden so viel Unrecht getan, wir hatten solche Verbrechen an ihnen begangen, dass sie irgendwie gesühnt werden mussten oder wiedergutgemacht werden mussten, wenn wir überhaupt wieder Ansehen unter den Völkern der Erde gewinnen wollten (…). Die Macht der Juden auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen.“ 

 

Wie wahrscheinlich kein anderer steht Konrad Adenauer für die reaktionären, kolonialen und antidemokratischen Kontinuitäten, die Krieg, Kolonialismus und Genozid möglich gemacht haben. Er ist kein Vorbild. 

Die Universität als Gesamte ist aufgerufen sich kritisch mit diesem bis heute fortdauernden Erbe auseinandersetzen und sollte sich bewusst als Gesamtuniversität nach einer Kölner Persönlichkeit benennen, die gegen Militarismus und Restauration, für echte, antifaschistische  Demokratie und Völkerverständigung eingetreten ist.

Stand:
23.05.2026. Das Konzept wird fortlaufend aktualisiert. Erstellt im Referat für
Frieden und Internationales und im Referat für Antifaschismus und Emanzipation
des AStA


[7] https://kritische-min-studierende.de/wp-content/uploads/2023/10/IGFarben_Broschuere.pdf

[9] Galerie der Professorinnen und Professoren,
https://professorenkatalog.uni-koeln.de/person/show/490
.