Dienstag 11. Juni 2013 // 19:30 Uhr // Hörsaal G (Hörsaalgebäude, Albertus-Magnus-Platz)

Vortrag mit Stephan Mertens

Schulbücher „definieren nicht nur ‚legitimes Wissen’ und wünschenswerte Kompetenzen, sondern vermitteln auch staatlich bzw. gesellschaftlich präferierte Identitätsangebote,“ heißt es ganz richtig auf der Website des Georg-Eckert-Institutes., dem führenden Institut für Schulbuchforschung in Deutschland . Welche Identitätsangebote vermitteln deutsche Schulbücher beim Thema Nahostkonflikt und bei der Darstellung des Staates Israel. Schulbuchverlage mit ihren Büchern, Schulen, die diese verwenden und Kultusminister, die diese zu verantworten haben, tragen eine erhebliche Verantwortung für das Wissen und die Einstellungen junger Menschen. Aktuelle Untersuchungen berichten von erheblichen und wachsenden Vorurteilen und Ressentiments gegenüber Israel in der jungen deutschen Generation. Das Wort „Jude“ ist auf deutschen Schulhöfen zu einem verbreiteten Schimpfwort geworden. Nicht nur bei Schülern mit arabischem Migrationshintergrund gelten Juden als dreckig, betrügerisch und geldgierig und Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden. Es besteht die Gefahr, dass sich diese Vorurteile in eine Verteufelung des Staates Israel, eine generelle Ablehnung von Juden und in einen gefährlichen Antisemitismus ausweiten.  Um dem Antisemitismus und Antiisraelismus in den Communities der Jugendlichen entgegenzutreten, dürfen Lehrer nicht zurückschrecken, konfliktreiche Inhalte wie die Geschichte und Gegenwart des Nahostkonfliktes im Unterricht zu behandeln. Können sie dabei auf fundierte, ausgewogene und hilfreiche Schulbücher zurückgreifen oder sind diese selbst ein Spiegelbild und ein Verstärker der antiisraelischen Ressentiments dieser Gesellschaft? Dieser Frage soll bei der Veranstaltung im Rahmen einer Schulbuchanalyse nachgegangen werden. Rassismus ist ein alltägliches Phänomen in dieser Gesellschaft. Alle Menschen sind darin auf unterschiedliche Weise involviert. Die einen machen Rassismuserfahrungen, während andere durch Rassismus Privilegien erhalten und ihn zuweilen durch ihr Denken und Tun reproduzieren. Rassismus kann dabei in sehr unterschiedlichen Formen auftreten.

Wo liegen die Wurzeln rassistischer Muster und Strukturen? Was bewegt dazu aus einer weiß-privilegierten Position gegen Rassismus zu sein?

In dem Vortrag geht es um die Entdeckung und die Bestärkung einer eigener rassismuskritischen Haltung, um Rassismus begegnen zu können. Dabei wird die Perspektive der kritischen Auseinandersetzung mit weiß-Sein (Critical Whiteness) fokussiert. Zu dem wird die Frage aufgeworfen, wo Ähnlichkeiten zwischen Rassismus und Heteronormativität bestehen.

Zum Referenten: Stephan Mertens, Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld. Pädagogischer Mitarbeiter in der Akademie Waldschlösschen, Reinhausen bei Göttingen.