Sprache ist kein neutrales, passives Medium, mit dem gesellschaftliche Wirklichkeiten ›objektiv‹ abgebildet werden. Stattdessen stellen Menschen u.a. durch ihre Wortwahl und ihren Sprechstil unterschiedliche Sichtweisen und Wirklichkeitsvorstellungen aktiv her.
Auch wenn die diskriminierende Wirkung von Sprachhandlungen in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf Schimpfwörter beschränkt wird, kommt sprachliche Diskriminierung weit häufiger vor, als es zunächst scheint. Während manche Begriffe in jeder Verwendung im deutschsprachigen Raum heute rassistisch sind, werden andere erst im Kontext und die Art ihrer Verwendung rassistisch aufgeladen.
Rassismus hat viele unterschiedliche Dimensionen, sprachliche Benennungspraktiken sind eine sehr wichtige, die kontinuierlich realisiert wird – sowohl im Sprechen als auch im Nichtsprechen, im Weghören und Schweigen.

Natasha A. Kelly ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin mit den Forschungsschwerpunkten (Post-)Kolonialismus und Feminismus.
Die in London geborene und in Deutschland sozialisierte Autorin und Dozentin hat an zahlreichen Institutionen in Deutschland und Österreich gelehrt und referiert und ist seit vielen Jahren in der Schwarzen deutschen Community engagiert. Sie selbst versteht sich als „akademische Aktivistin“, die stets versucht Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, um die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Transferleitungen zwischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu betonen. Darüber hinaus ist sie künstlerisch tätig. In ihrer Installation „Giftschrank“, beispielsweise, die am Deutschen Historischen Museum, Berlin (2016/2017) und am Museum Schöneberg, Berlin (2017) gezeigt wurde, veranschaulicht sie den Zusammenhang von Rassismus und Sprache.

Wann//04.12.17, 18:15 Uhr

Wo// A1, Hörsaalgebäude, Universitätsstr. 35, 50931 Köln